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Susanne Schubert
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Ein kurzer Streifzug durch die Jahrhunderte ...
Seeons Geschichte auf einen Blick
aus "Kloster Seeon" von Lothar Altmann, Kunstverlag Josef Fink, 2010;
Diesen kleinen Kunstführer gibt es für 7,80 € im Klosterladen ;
- 994 Laut Seeoner Äbtekatalog Gründung des Klosters. Stifter sind Pfalzgraf Aribo I. und seine Gemahlin Adala, die hierzu Benediktiner aus St. Emmeram in Regensburg holen. Das in diesem Jahr in einer Salzburger Gütertausch-Notiz genannte „Seuua“ (Sewa) ist wohl nicht auf Seeon zu beziehen.
- 999 Erste urkundliche Erwähnung des Klosters anlässlich der Bestätigung von Privilegien durch Kaiser Otto III. und Papst Silvester II. Die Abtei ist nun reichs- und romunmittelbar; die Klosterkirche St. Lambert dient ab der Jahrtausendwende zugleich als Erbgrablege der Aribonen.
- 11. Jh. Angesehene ottonisch-frühsalische Schreibschule in Seeon. Wohl nach 1035 auch Gründung eines Benediktinerinnenklosters um St. Walburg.
- Spätes 12. Jh. Unter Einbeziehung von Bauteilen der ersten steinernen Vorgängerkirche (um 1080) Neubau einer dreischiffigen romanischen (im Kern heute noch erhaltenen) Säulenbasilika (mit Vorhalle und zweitem Westturm), die Reichenauer Elemente mit dem Hirsauer Schema verbindet; damals wohl auch Neuerrichtung der Klostergebäude um den Kreuzgang, in dem knapp 20 Mönche lebten.
- 1201 Das Kloster verliert seine Reichsunmittelbarkeit, da es von Stauferkönig Philipp an den Erzbischof von Salzburg verschenkt wird.
- 1247 Übergang der Vogtei (der zu entlohnenden Vertretung des Klosters in Rechtssachen – „Vogt“ von lat. „advocatus“), die bis 1102 bei den Aribonen lag und danach mehrmals den Besitzer wechselte, nach dem mehrheitlichen Willen der Mönche an die Wittelsbacher-Herzöge.
- 1425–1433 Gotisierung von Kloster (davon heute noch Kreuzgang, Kapitelsaal und Weinkeller unter der Alten Abtei erhalten) und Kirche (Chor, Gewölbe, Ummantelung der romanischen Säulen), herausragend sowohl bezüglich der Architektur als auch bezüglich der Ausstattung.
- 1561 Ein Brand vernichtet am 18. April einen Großteil des Klosters, verschont aber weitgehend Kirche, Abtskapelle und Hospital. Danach Wiederaufbau des Klosters; beide Kirchtürme erhalten ihre charakteristischen Zwiebelkuppeln, die Kirchenschiffe ihre Malereien.
- 1634–1670 Trotz Dreißigjährigem Krieg Teilbarockisierung der Kirche, Umgestaltung der Barbarakapelle neben der Vorhalle zur „Äbtegalerie“ (1646). Neubau des Hospitals (1641) östlich und auch des Bibliotheksgebäudes nördlich der Kirche sowie im Westen der Neuen Abtei (1644; heute Festsaaltrakt einschließlich Lambertisaal und darüberliegendem Fürstenzimmer). Im Erdgeschoss der Alten Abtei wird gleichzeitig das Refektorium (heute Gastwirtschaft) eingerichtet.
Weitgehender Neubau der Trakte um den Innenhof: 1655–1657 Ostflügel, 1665–1670 Südflügel; im Westen Beibehaltung des schon 1622 aufgeführten „Castens“ (Klosterstadl), dessen Obergeschoss (= „Zwischengeschoss“) zu Gästezimmern ausgebaut wird. Etwas schematisierte Ansicht der neuen Gesamtanlage auf Stich von Michael Wening (1721).
Damals auch Errichtung der Wallfahrtskirche Maria Eck (bei Siegsdorf) in zwei Etappen. - 1755–1758 Aufstockung der Alten Abtei um ein zweites Obergeschoss (unter anderem mit Speisesaal, heute Musiksaal) und Rückverlegung der Prälatur aus der Neuen Abtei hierher; neue Abtskapelle St. Nikolaus; neues Refektorium (heute Benediktussaal) neben dem Kapitelsaal.
- 1761–1780 Wiederholte Kontakte des Klosters mit Wolfgang Amadeus Mozart, der auch mehrmals in Seeon weilt.
- 1803 Aufhebung des Benediktinerklosters im Zuge der Säkularisation; die Klosterkirche wird Pfarrkirche.
- 1804 Verkauf eines Großteils des Klosterkomplexes (samt der Kirche St. Walburg) an den Münchner Bäckermeister Franz Xaver Distler, der die Klosterbrauerei in Eigenregie fortführt; danach Abbruch von Hospital und Bibliotheksgebäude.
- 1816 Distlers Schwiegersohn Georg Reichenwallner eröffnet in den ehemaligen Klostergebäuden ein „Kurmittelhaus“ (Kurbad); Aufschüttung eines Dammes zum Festland.
- 1852 Verkauf von „Bad Seeon“ an Dona Amélie (1812–1873), die in Lissabon residierende Witwe Kaiser Pedros I. von Brasilien, die schon 1845 Schloss Stein an der Traun erworben hat; sie ist eine Tochter von Eugène de Beauharnais, 1. Herzog von Leuchtenberg (Stiefsohn Napoleons I.), und Auguste Amalie (Tochter König Max’ I. Joseph).
- 1873 Die Seeoner Anlage fällt per Erbschaft an Königinmutter Josephine von Schweden und Norwegen (1807–1876; Schwester von Dona Amélie); diese veräußert den Besitz noch im gleichen Jahr an ihren Neffen Fürst Nikolaus Romanowskij, 4. Herzog von Leuchtenberg (1843–1891), der durch seine Mutter mit der Zarenfamilie Romanow verwandt ist und von Dona Amélie den Besitz in Stein an der Traun geerbt hat, wo er von nun an hauptsächlich wohnt.
Nach seinem Tod lassen die beiden Söhne den Seeoner Baukomplex 1892 zum Schloss umgestalten (vgl. Leuchtenberg’sche Begräbnisstätten auf dem Friedhof um St. Walburg). - 1934 Ersteigerung von Schloss Seeon durch den schlesischen Großindustriellen Dr. Max Wiskott (der im selben Jahr auch noch das schon 1892 von den Leuchtenberg verkaufte Schloss Stein an der Traun samt Brauerei erwirbt); er vermietet die Anlage an die NSDAP zur Einrichtung einer SA-Schule; zugleich Teilnutzung durch den Reichsarbeitsdienst.
- Ab 1945 Zunächst Nachkriegslazarett, dann Flüchtlingslager („Sudetenheimstätte“).
- 1953–1958 Nach Verkauf Seeons durch die Familie Wiskott (1953) Nutzung als Hotel mit Gaststättenbetrieb und als Polstermöbelfabrik mit ca. 100 Beschäftigten.
- 1958–1978 Zunächst Schule des Bundesgrenzschutzes, ab 1963 Kaserne einer Hundertschaft der Bayerischen Bereitschaftspolizei; dabei am Innenhof Aufstockung des Ost- und Nordflügels durch ein Halbgeschoss (2. Obergeschoss) sowie Ausbau des Dachgeschosses im Südtrakt.
- 1978 Erwerb der Anlage durch die Erzdiözese München und Freising, um die Übereignung an eine Sekte zu verhindern.
- 1986 Verkauf an den Bezirk Oberbayern.
- 1989 Beginn einer umfangreichen Sanierung, Restaurierung und Modernisierung des gesamten Komplexes.
- 1993 Eröffnung des „Kultur- und Bildungszentrums des Bezirks Oberbayern“ mit Tagungshotel.
- 1994 Mit der Ausstellung „Schreibkunst - Mittelalterliche Buchmalerei aus dem Kloster Seeon“ Beginn einer weitgesteckten Ausstellungstätigkeit.
