Prinz Eugene u Prinzessin Auguste Amalie, © Andreas Kuhnlein

200 Jahre Herzöge von Leuchtenberg

Sie waren bekannt für ihre Sammelleidenschaft, und sie gehörten zu den bekanntesten Adelsgeschlechtern in Bayern: Die Herzöge von Leuchtenberg prägten nicht nur das Leben in Bayern, sondern auch die Geschichte von Kloster Seeon. Über ein halbes Jahrhundert lang war ein Zweig der Familie Besitzer dieser Liegenschaft. Der Freundeskreis Leuchtenberg gibt in der Wanderausstellung „200 Jahre Herzöge von Leuchtenberg“ von 8. März bis 26. Mai 2019 im Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern Kloster Seeon einen sehenswerten Einblick in das Leben und die Sammelleidenschaft dieser Familie. Zu sehen sind über 100 verborgene Stücke aus den Depots und von privaten Sammlungen.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer würdigte die Familie Leuchtenberg bei der Vernissage als glanzvolle Adelsfamilie, die in Bayern und auch in Kloster Seeon viele Spuren hinterlassen habe. „Die herzogliche Familie förderte das hiesige Vereinswesen, unterstützte die Gemeinde, und sorgte auch dafür, dass viele Einheimische im Schloss ihr Auskommen fanden.“ Heute habe man das Gefühl, dass ein wenig vom Geist der damaligen Zeit Einzug gehalten habe. Denn mit der Umwandlung in ein Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern vor rund 25 Jahren habe eine neue Ära begonnen. Kloster Seeon sei ein nicht mehr wegzudenkender kultureller Leuchtturm.

Das Fürstentum Leuchtenberg entstand vor rund 200 Jahren. Einer der reichsten und großzügigsten Fürsten in Bayern war Eugène, der 1817 den Grundstein zum Palais Leuchtenberg legte. „Die Leuchtenbergs besaßen damals mit die größten Kunstschätze im Land“, erläuterte Kurator Dr. Rainer Tredt. Die Ausstellung zeige meist kleine, aber feine Stücke. „Darunter ist sicher das ein oder andere Highlight, das es noch nie in die Öffentlichkeit geschafft hat.“ Die Objekte stammen aus den Themenbereichen Alltag und Kurioses, Gesellschaft und Jagd, Sammlungen/Zoologie, Sammlungen Mineralogie und Paläontologie und Militärisches.  Beispiele dafür sind die herzoglichen Schlittschuhe aus der Seeoner Zeit, ein exzellenter Lampenschirm aus Schloss Mallmaison, aber auch Exotisches aus Brasilien und Ostindien wie ein roter Ibis. Erwähnenswert ist auch der Paradegen aus der Zeit von Herzog Eugène samt Entwurfszeichnung der Uniformen, die auf ebay zu ergattern war. „Eine große Besonderheit ist ein Geschenk der Kaiserin Zita an die Mutter von Herzog Nicolaus anlässlich seiner Geburt“, so Dr. Rainer Tredt. „Es ist ein aus Elfenbein geschnitzter Fächer, eine absolute Rarität!“

Historikerin Hedwig Amann  bedankte sich beim Freundeskreis Leuchtenberg dafür, dass die Vernissage ausgerechnet am 8. März, dem Weltfrauentag, stattfand. Sie nahm das zum Anlass, das bewegte und eindrucksvolle Leben der Frauen im Adelsgeschlecht der Leuchtenbergs zu erläutern. „Sie waren umfassend gebildet, musisch begabt und sprachgewandt. Sie waren auch mit einer nötigen Portion Geschäftssinn ausgestattet, wie die Investitionen von Amelie im Mineralbad Seeon und bei der Brauerei Stein beweisen.“

Spannend sei, dass die Damen auch mit ihrer Mode Wirtschaftspolitik betrieben. „Sie trugen nicht mehr die in England produzierten Musselinkleider der Revolutionsmode. Bei Herzogin Auguste sind die französische Seide und der französische Samt dominant, wie man auf zahlreichen Porträts dieser Schönheit sieht.“

Schicksalsfäden spannen die Frauen dieses Adelsgeschlechts durch ihre Heiratspolitik. Ein Beispiel ist Amelie, die 17jährig mit Dom Pedro Kaiser von Brasilien verheiratet wurde. Die Ehe wurde glücklich. Als Witwe verfolgte Amelie nach ihrer Rückkehr aus Brasilien wirtschaftliche Interessen. Sie erwarb 1845 die Hofmark Stein mit Brauerei und dann 1852 das zum Mineralbad gewandelte ehemalige Kloster Seeon. In den nächsten Jahren wurden die schon bestehenden 15 Zimmer im östlichen Konventflügel mit neuen Tapeten, Öfen und eleganten Möbeln ausgestattet. Auch die weitere Geschichte von Kloster Seeon wurde maßgeblich von Frauen der Familie Leuchtenberg geprägt – bis hin zur sagenumflorten Anastasia, die 1927 in Seeon auftauchte und elf Monate lang dort lebte. Die Familie Leuchtenberg hat sie nie als Tochter des Zaren anerkannt.

Die Vernissage gab der Ausstellung einen würdigen Rahmen. Prominente Gäste wie Herzog Nicolaus von Leuchtenberg, der Vorsitzende des Freundeskreises Leuchtenberg Josef Schönwetter und der Fachbeiratsvorsitzende Dr. Helmut Wittmann sowie Bürgermeister Bernd Ruth betonten die Verbundenheit der Familie Leuchtenberg mit Kloster Seeon. Die Blaskapelle Seeon spielte Musik aus der herzoglichen Zeit.

Die Ausstellung „200 Jahre Herzöge von Leuchtenberg“ läuft bis zum 26. Mai 2019. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Ein Rahmenprogramm bietet Ausstellungsführungen, einen Vortrag und ein kleines Geistliches Konzert mit ostkirchlichen Gesängen. Informationen dazu gibt es auf der Homepage unter www. kloster-seeon.de oder telefonisch unter 08624/ 897-0.