Ausstellung Lebenszeichen, © josua reichert

Zeichen des Lebens - Typographie von Josua Reichert

Der vielgestaltigen, hohen Kunst des Schreibens widmet Kloster Seeon nun neuerlich eine eigene Ausstellung. „Zeichen des Lebens“ nennt der 1937 geborene Josua Reichert die kleine, aber feine Auswahl aus seinem typographischen Werk, die von 23. Februar bis 22. April im Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern vorgestellt wird.

„Ich bin kein Typograph, der Kunst macht, sondern ein Künstler, der Typographie macht“ – lautet ein Leitspruch des Druckers, Typographen, Grafikers und Autors, der seit 1972 in Haidholzen bei Rosenheim arbeitet und lebt. Geschaffen hat er in dieser Zeit ein ungemein farbenprächtiges und innovatives künstlerisches Werk, das die Geschichte von Schrift, Literatur und Kunst gleichermaßen widergespiegelt. Getragen von perfekter Beherrschung und größter Sachkenntnis der klassischen Druckkunst entwickelte Reichert dabei ganz eigene kreative Arbeitstechniken.

Reicherts künstlerischer Werdegang begann 1959 mit einem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Sein Lehrer Hap Grieshaber und das Werk des Niederländers Hendrik Nicolaas Werkmann, einem Pionier der modernen Typographie, beeinflussten ihn dabei maßgeblich. Heute gilt Josua Reichert auf dem Gebiet der Typographie als der wichtigste zeitgenössische Künstler in Europa. 2010 wurde er mit dem Jerg-Ratgeb-Preis für sein Lebenswerk geehrt, einem der bedeutendsten Kunstpreise im deutschsprachigen Raum.

Die Technik, derer sich Reichert bedient, ist Jahrhunderte alt. Seine Werkzeuge sind Löffel, Farbwalze und Kniehebelpresse. Mit seinen kraftvollen, farbigen Schrift-Bildern spannt der Typograph einen weiten Bogen über die Schriftkulturen, Weltliteraturen und Zeiten. Er druckt mit lateinischen, griechischen, kyrillischen, hebräischen und arabischen Schriften; sein Textkanon reicht von der Antike bis in die Gegenwart. Eine Beschränkung auf Kulturkreise und Epochen lässt er nicht gelten. Maßstab für die Auswahl der Gedichte, Fragmente und Sentenzen, die der Literaturliebhaber aus den Büchern aller Zeiten herausholt und in Schrift-Bilder verwandelt, ist ihre poetische Qualität und Gültigkeit. Die Texte müssen sein Innerstes berühren und seine typografische Fantasie beflügeln. Die Schrift-Bilder, die er dem Betrachter vor Augen führt, verlangen sowohl Lesen als auch Sehen.

Reicherts Ausstellung „Zeichen des Lebens“ zeigt das Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon – bei freiem Eintritt - von 23. Februar bis 22. April, täglich von 10 bis 17 Uhr. Am 24. Februar und am 7. April werden jeweils um 14 Uhr kostenlose Führungen mit Kunsthistorikerin Hedwig Amann veranstaltet.